Schwerbehinderte Erwerbslose fördern

Im Rahmen des Weltgesundheitstags 2017 fand während eines Aktionstags in Bensheim ein Gespräch rund um das Thema „Gesundheit und Beruf“ statt. Das Kommunale Jobcenter Neue Wege und die Firma Softdoor GmbH hatten die Veranstaltung mit den Teilnehmenden des ESB-Projekts (Eingliederung schwerbehinderter Menschen Bergstraße) organisiert. Die Firma Softdoor betreibt Projekte im Bereich der beruflichen Gesundheitsförderung.

„Das Themenfeld Gesundheit und Beruf muss in den Vordergrund gerückt werden, damit eine Integration der Betroffenen in den Arbeitsmarkt nachhaltig gelingen kann“, so die Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernentin Diana Stolz. „Wir wollen mit diesem Projekt den Integrationsprozess gezielt fördern und unterstützen, damit Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen wieder eine Chance im Beruf haben“, betonte sie.

Das ESB-Projekt ist am 1. November 2016 im Kreis Bergstraße gestartet und dient der Arbeits- und Gesundheitsförderung schwerbehinderter Erwerbsloser. Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus den Mitteln des Ausgleichsfonds geförderte Projekt stellt dazu ein Team aus Ärzten, Psychologen, Gesundheits- und Jobcoaches. Ziel ist die Beratung und Unterstützung der Projektteilnehmenden bei einem (Wieder-)einstieg in den Beruf.

Der diesjährige Gesundheitstag widmete sich insbesondere dem Weltgesundheitstags-Thema „Depression“. In Projektarbeiten und Impulsvorträgen wurde der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Depression verdeutlicht sowie das große Spektrum einer Depression von Stress bis Burnout definiert.

Außerdem wurde vom Gesundheitsamt der Einfluss bewusster und nachhaltiger Ernährung auf die psychische Gesundheit anschaulich mit einem Zuckertisch dargestellt. Diese deckt auf, wie viel Zucker sich in den Speisen und Getränken versteckt.

Die hessischen Landfrauen zeigten mit selbst gemachten Produkten, wie man sich schnell und einfach gesund ernährt. Mit Brotaufstrichen und Snacks aus Brotresten veranschaulichten sie, wie man ältere Lebensmittel verwerten kann. Über die Arbeit und Beschäftigung psychisch erkrankter Menschen im Kreis Bergstraße informierte der Psychosoziale Hilfsverein Heppenheim im Rahmen des Zuverdienst-Arbeits-Projekts.

Wie in den vergangenen Jahren war auch diesmal die DAK-Gesundheit erneut mit einem breiten Informationsangebot beim Gesundheitstag vertreten. Robert Gahler bekräftigte den Kooperationsvertrag mit dem Jobcenter Neue Wege und zeigte Angebote der DAK-Gesundheit auf, die psychisch erkrankte Menschen nutzen können. Auf das Thema Depression bezogen machte Gahler auf das Angebot der Online-Therapie, einer webbasierten Psychotherapie zur Selbsthilfe, aufmerksam.

„Ich freue mich, dass so viele Vereine und Einrichtungen sich in der Gesundheitsförderung engagieren und heute beim Gesundheitstag einen Beitrag dazu geleistet haben, schwerbehinderten Menschen den Weg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern“, bedankte sich Stolz am Ende des Aktionstages bei den Teilnehmern.

Neue Wege erhält Fördermittel

„Kompetenzen entwickeln – Perspektiven eröffnen“

Neue Wege erhält Fördermittel für neues familienorientiertes Konzept

 

Kreis Bergstraße (kb). Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) hat mit der Initiative „Kompetenzen entwickeln – Perspektiven eröffnen“ ein neues Förderinstrument für Langzeitleistungsbezieher geschaffen. Der Eigenbetrieb Neue Wege –Kommunales Jobcenter- hat sich mit einem neuen, stark familienorientierten Konzept um Fördermittel aus diesem Topf beworben und den Zuschlag erhalten. Der Projektstart im Kreis Bergstraße ist für Mitte 2017 geplant.

„Familien stärken – Zukunft sichern“

In Deutschland gibt es rund 580.000 Bedarfsgemeinschaften mit Kindern, die Leistungen eines Jobcenters nach SGB II beziehen und in denen kein Elternteil erwerbstätig ist. Die Kinder in diesen Bedarfsgemeinschaften sind besonders von Armut bedroht, da Arbeitslosigkeit weiterhin das größte Armutsrisiko darstellt. Durch die Leistungen des Jobcenters soll ein Abgleiten in extreme Armut verhindert werden. Neben der finanziellen Bedürftigkeit haben die betroffenen Kinder schlechtere Bildungschancen und weisen eine geringere soziale Teilhabe auf.

Mit dem Konzept „Familien stärken – Zukunft sichern“ sollen Familien mit Kindern im SGB-II-Leistungsbezug gestärkt und mittelfristig wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Das Neue Wege-Konzept ist in fünf Module gegliedert. Es können bis zu 12 Familien unterstützt werden, in der Regel bei einer Laufzeit bis zu 12 Monaten. Ein passgenaues Maßnahmenbündel wird zum Einsatz kommen: Von der Aufsuchenden Hilfe im gewohnten Umfeld der Betroffenen, über Familiencoaching mit eigeninitiierten Projekten, Vermittlungscoaching, Qualifizierungsmaßnahmen bis hin zur sorgfältigen Nachbetreuung beispielsweise. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberservice Neue Wege und der Wirtschaftsförderung Bergstraße.

 

Mit flankierenden Maßnahmen sollen die Familien zusätzlich bei ihren individuellen Problemen und deren Bewältigung unterstützt werden. Das kann Sucht- und Schuldnerberatung sein, aber auch Begleitung und Unterstützung durch eine Familienhilfe. Durch die schrittweise Wiederherstellung der Beschäftigungsfähigkeit der Eltern soll eine positive Veränderung der Lebenssituation der Kinder angestoßen werden, damit diese gute Entwicklungschancen haben und nicht zu Leistungsempfängern von morgen werden.
„Unser Ziel ist es, einer Verfestigung von Langzeitleistungsbezug durch Perspektivenentwicklung und positive Lebensplanung in Bedarfsgemeinschaften mit Kindern entgegen zu wirken“ so die Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernentin Diana Stolz.

 

 

Zahl der Arbeitslosen geht weiter zurück

Quelle: Bergsträßer Anzeiger 04.11.2016

Langzeitarbeitslose: Zahl auf Rekordtief

Quelle: Starkenburger Echo 04.11.2016

Bessere Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Behinderung

Mit zahlreichen Maßnahmen unterstützt Neue Wege Schwerbehinderte auf der Suche nach einem Job oder einer Ausbildung.
Auch in 2016 laufen die Bemühungen des Eigenbetriebs Neue Wege Kreis Bergstraße – Kommunales Jobcenter – für den betroffenen Personenkreis weiter. Ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zur Vermittlung und Unterstützung von schwerbehinderten, gleichgestellten und von Behinderung bedrohter Menschen steht nach wie vor zur Verfügung. Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung haben einen ungleich schwereren Zutritt zum Arbeitsmarkt. Hier hat sich der Eigenbetrieb Neue Wege eine klare Aufgabe gestellt: Die Verbesserung der Arbeitsmarktchancen und die daraus resultierende berufliche Integration am ersten Arbeitsmarkt. Ein ganzes Maßnahmenbündel wurde hierfür geschnürt. Es umfasst die persönliche Beratung und Unterstützung bei allen Fragestellungen rund um Arbeits- oder Ausbildungsplatzsuche, Qualifizierungsmaßnahmen und passgenaue Förderangebote, Arbeitsplatzvermittlung, Begleitung zum Arbeitsplatz, Nachbetreuung und vieles mehr.
Mit der mobilen Beratungsstelle BerT – Beratungsstelle für Behinderte und von Behinderung bedrohter Menschen – bietet das Jobcenter in Kooperation mit dem Bildungswerk Neckargemünd GmbH einen ganz besonderen Service. BerT berät und unterstützt betroffene Menschen in den unterschiedlichsten Problemlagen. Die Mitarbeiter halten Informationen zu speziellen Hilfsangeboten, Qualifizierungs- und berufsvorbereitende Maßnahmen, Unterstützung bei der Eingliederung in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt, Beratung von Menschen, die sich bereits in einem Arbeitsverhältnis befinden und deren Arbeitsverhältnis gefährdet ist oder Unterstützung bei der Kommunikation mit Ämtern und Behörden. Es ist als offenes Projekt angelegt und kann von allen Ratsuchenden, Betroffenen und Unternehmen in Anspruch genommen werden.
„Wir arbeiten intensiv daran, Hürden abzubauen und Brücken zu potentiellen Arbeitgebern in der Region aufzubauen“, betont Betriebsleiter Stefan Rechmann. „Wir wollen noch mehr sozial engagierte Betriebe gewinnen, um den Betroffenen eine Chance zu bieten.“ BerT ist im ganzen Kreis Bergstraße aktiv und bietet diesen Beratungs- und Unterstützungsservice vor Ort an, ob in den Kommunalen Jobcentern oder im Bedarfsfall auch an einem individuell vereinbarten Ort. Direkte telefonische Kontaktaufnahme für alle Interessierte oder Betroffene ist unter der Telefonnummer 0174 82 85 964 oder per E-Mail francesco.giordano@bbw.srh.de möglich. Unter dem Motto „Perspektiven entwickeln – punktgenau vermitteln“ gibt es ein Angebot zur Vermittlung von Schwerbehinderten oder von Behinderung bedrohter ALG II-Beziehern in den ersten Arbeitsmarkt. Dies wird in Zusammenarbeit mit dem Diakonischen Werk Bergstraße angeboten.

An zwei Standorten – Bensheim und Rimbach – stehen insgesamt 25 Plätze dafür bereit. Erstellen von Fähigkeits- und Leistungsprofilen, Bewerbertraining, Hilfe bei dem Erstellen von Bewerbungsunterlagen sind nur einige der Angebote. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Diakonischen Werks bereiten die Menschen auf betriebliche Praktika und neue Arbeitsplätze vor. Wenn nötig begleiten sie die Teilnehmer anfänglich auch schon mal zum Arbeitsplatz. Das Projekt bietet zusätzlich auch Nachbetreuung an. Das kommt gut an. Bietet sie doch mehr Sicherheit für alle Akteure: Arbeitssuchende und Arbeitgebern. Konkret bedeutet es: Hilfe und Unterstützung während der Probezeit oder auch bei einem schon länger bestehenden Beschäftigungsverhältnis. Bahnen sich Probleme an, die eine Weiterbeschäftigung gefährden oder gar einen Abbruch riskieren, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Stelle und helfen. Beiden Seiten. „Diese beiden Beispiele stehen stellvertretend für das vielfältige Angebot des Eigenbetriebs Neue Wege“, so der Hauptamtliche Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf als zuständiger Dezernent. „ Sie ergänzen optimal die zur Umsetzung des Inklusionsprozesses wichtige Arbeit der drei Arbeitskreise Beschäftigung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Kreisteilhabekonferenz“.

Neue Wege: Spezialisten betreuen zukünftig Langzeitarbeitslose

Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanzierte Initiative „Perspektive 50plus“, mit Ziel der Arbeitsmarktintegration von Frauen und Männern über 50 Jahren, ist zum 31.12.2015 ausgelaufen. Dieser Beschäftigungspakt, der in vielen Regionen, so auch an der Bergstraße, zu einer gezielten Beratung und Förderung der über 50-Jährigen aktiv eingesetzt wurde, läuft in der bisherigen Form nicht weiter. Zukünftig arbeiten die gut geschulten und sehr erfahrenen Fallmanager des Projekts 50plus bei Neue Wege im Bereich der Langzeitleistungsbezieher. „Ich finde es toll, dass die Kollegen trotz Ablauf des Projekts ihr profundes Wissen weiterhin sinnvoll und zielgerichtet einsetzen können. Es wäre wirklich schade, wenn dieses Know-how verloren gegangen wäre“, erklärte Kreisbeigeordneter Matthias Schimpf.

Das Projekt 50plus wurde zu 100 Prozent durch Bundesmittel finanziert. Der Eigenbetrieb Neue Wege Kreis Bergstraße hatte dieses Angebot aufgegriffen und 6 Jahre erfolgreich in der Region umgesetzt. Besonders geschulte Fallmanager betreuten und berieten die Menschen in den vier Jobcentern des Eigenbetriebs in Heppenheim, Viernheim, Mörlenbach und Bürstadt. Insgesamt konnten in diesem Zeitraum 1300 über 50-Jährige in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden. Es gelang außerdem 1800 Frauen und Männer für Fördermaßnahmen zur Wiedereingliederung zu aktivieren, damit sie ebenfalls in für sie passende Maßnahmen vermittelt werden können.

Zusätzliche Vorteile des 50plus-Projektes gegenüber anderen Programmen waren intensives Coaching, individuelle Betreuungsmöglichkeiten, ganzheitliche Hilfe und Förderung. „Wir haben sehr viel positive Resonanz von unseren Teilnehmern erhalten“, so Betriebsleiter Stefan Rechmann von Neue Wege Bergstraße. Weiter meint er: „Es lag mit Sicherheit an den gezielten Angeboten und Fördermöglichkeiten mit denen wir arbeiten konnten. Natürlich spielten auch unsere speziell geschulten Fallmanager eine wichtige Rolle“. Für einige Arbeitssuchende dieser Gruppe war es oftmals ein längerer und intensiverer Veränderungsprozess. Die Wechselwirkung von Kompetenz, Biographie, Gesundheit, sozialem Umfeld und persönliche Ziele spielen immer eine wichtige Rolle. Fallmanager Norbert Mischler erzählt unter anderem von einem Teilnehmer, der so erfolgreich von diesem Programm profitiert hat, das er gerne seine Erfahrungen an Interessierte oder Betroffene weiter geben möchte. Beispielsweise in Form eines mündlichen Erfahrungsberichtes. „Es ist viel menschliche Aufbauarbeit nötig. Zuversicht, Motivation und Selbstvertrauen ist besonders wichtig bei der Gruppe der über 50-Jährigen“ weiß der Fallmanager weiter zu berichten.

Für Neue Wege war es auch bei diesem Projekt ganz wichtig eng mit Arbeitgebern zusammen zu arbeiten und diese mit Rat und Tat zu begleiten. Viele Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass altersgemischte Teams erfolgreicher sein können als altershomogene Arbeitsgruppen und haben gerade deshalb das Angebot gerne angenommen.