„win-win-Situation“ für Unternehmen und Arbeitssuchende

Teilhabechancengesetz als Perspektive für Langzeitarbeitslose

Kreis Bergstraße (kb). Vor allem für Menschen, die bereits sehr lange auf Arbeitssuche sind, gestaltet sich der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt schwierig. Um diesen Menschen eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu bieten, ist Anfang 2019 das Teilhabechancengesetz (§16i ‚Teilhabe am Arbeitsmarkt‘, §16e ‚Eingliederung von Langzeitarbeitslosen‘ des zweiten Sozialgesetzbuches (SGB II)) in Kraft getreten und im Kreis Bergstraße umgesetzt worden. Diese Förderungen betreffen dabei zwei unterschiedliche Zielgruppen, die abhängig von Faktoren wie etwa dem Alter und der Dauer der Arbeitslosigkeit bestimmt werden. An der Förderung nach § 16e ‚Eingliederung von Langzeitarbeitslosen‘ können Personen teilnehmen, die unter anderem mindestens zwei Jahre ohne Arbeit sind. Menschen, die unter anderem für mindestens sechs Jahre in den letzten sieben Jahren Arbeitslosengeld II bezogen haben und in dieser Zeit nicht beschäftigt waren, können von §16i ‚Teilhabe am Arbeitsmarkt‘ profitieren.

Bei beiden Förderungen werden sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in Voll- und Teilzeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, bei kommunalen Unternehmen und bei Trägern gefördert. Die jeweilige Förderung beinhaltet eine ausgiebige Betreuung sowie individuelle Beratung und Unterstützung der Arbeitsuchenden. Den Teilnehmenden wird zudem ein Coach zur Seite gestellt, um den Wiedereinstieg bestmöglich zu begleiten und so die Übernahme in eine ungeförderte Anstellung zu unterstützen.

Die Arbeitgeber erhalten im Gegenzug eine finanzielle Unterstützung durch das kommunale Jobcenter Neue Wege in Form von Lohnkostenzuschüssen, wenn sie Personen dieser Zielgruppen einstellen. Die Höhe der Unterstützung richtet sich nach den vertraglichen Bedingungen des Arbeitgebers. Bei einer Förderung nach §16i ,Teilhabe am Arbeitsmarkt‘ ist ein Zuschuss von bis zu 100 Prozent des Mindestlohnes für zwei Jahre möglich und verringert sich nach dieser Zeit um zehn Prozent pro Jahr. Insgesamt kann die Förderung für fünf Jahre bewilligt werden.

„Von den Maßnahmen des Teilhabechancengesetzes profitieren nicht nur die Arbeitssuchenden, sondern auch unsere Bergsträßer Wirtschaft. Eine echte ‚win-win-Situation‘ für alle Beteiligten“, freut sich Landrat Christian Engelhardt. Die Erste Kreisbeigeordnete und für den Eigenbetrieb Neue Wege zuständige Dezernentin Diana Stolz lobt: „Die Umsetzung des Gesetzes ist gut angelaufen und wir verzeichnen Erfolge. Ich freue mich sehr, dass wir, Hand in Hand mit Bergsträßer Unternehmen, Menschen, die lange Zeit ohne berufliche Beschäftigung waren, gezielt Perspektiven in der Arbeitswelt bieten können.“

Die Bilanz kann sich durchaus sehen lassen: Seit dem Start der Förderung im Jahr 2019 haben alleine 60 Arbeitgeber das Förderinstrument nach §16e ‚Eingliederung von Langzeitarbeitslosen‘ bewilligt bekommen. Für das Förderinstrument nach §16i ‚Teilhabe am Arbeitsmarkt‘, haben insgesamt 49 Arbeitgeber die Förderung beansprucht. Auch das Interesse bei den Arbeitssuchenden ist groß. So haben im Jahr 2021 im Kreis Bergstraße insgesamt 137 Personen, die ALG II beziehen, an den angebotenen Maßnahmen nach dem Teilhabechancengesetz teilgenommen. Und das mit Erfolg. Denn: Die Übernahmequote der Teilnehmenden von den geförderten Betrieben liegt bisher bei §16e ‚Eingliederung von Langzeitarbeitslosen‘, bei rund 46 Prozent und bei §16i ‚Teilhabe am Arbeitsmarkt‘‚ bei circa 50 Prozent. Dank der Fördermaßnahmen konnten insgesamt 73 Prozent der Teilnehmenden, deren Förderung 2021 regulär endete, in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse vermittelt werden. In Anbetracht der oftmals sehr lang voran gegangenen Arbeitslosigkeit stellen diese Förderinstrumente ganz neue Perspektiven für die Teilnehmenden dar.

Arbeitsmarkt relativ robust, doch Fachkräftemangel trübt Ausblick

Farbige Strichmännchen: Jemanden auf seine Seite ziehen / Mitar

 

Kreis Bergstraße (kb). Im Juli waren im Kreis Bergstraße 5.560 arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen um 338 Personen beziehungsweise um 6,5 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosenzahl um 2,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen lag bei 3,8 Prozent (Vorjahr: 3,7 Prozent). Zum Vergleich: Für Hessen insgesamt liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 4,9 Prozent, deutschlandweit bei 5,4 Prozent.

„Der Bergsträßer Arbeitsmarkt zeigt sich aktuell zwar relativ robust, doch die mögliche positive Entwicklung zahlreicher Unternehmen wird bereits durch einen Fachkräftemangel ausgebremst“, stellt Landrat Christian Engelhardt heraus. „Dieser Mangel an Fach- und Arbeitskräften wird in den kommenden Jahren ein sehr drängendes Problem unserer Gesellschaft sein, das wir mit Hilfe konzertierter Maßnahmen in den Griff bekommen müssen.“ Aktuell sei es zum Beispiel bereits für Hotellerie- und Gastronomiebetriebe sehr schwierig, ausreichend geeignetes Personal zu finden. Dies läge unter anderem an einer Abwanderung des Personals in andere Berufe. Diese Einschätzung bestätigten kürzlich auch Christine Friedrich (Geschäftsführerin Dehoga Südhessen) und Ulrich Kagermeier (Vorsitzender des Kreisverbandes Bergstraße der Dehoga) bei einem Treffen mit dem Landrat. Es stünde zu befürchten, dass viele Betreiber infolge des Fachkräftemangels ihre Hotel- und Gastronomie-Betriebe in den kommenden Jahren schließen werden, so die Experten. Die hätte gravierende Folgen für die Region.

Landrat Christian Engelhardt: „Der Kreis Bergstraße und die Gemeinden werden alles daransetzen, unseren Beitrag dazu zu leisten, dass der Fachkräftemangel in unserem Kreis so gering wie möglich ausfällt – zum Beispiel auch dadurch, dass wir die hohe Lebensqualität hier erhalten beziehungsweise noch weiter steigern. Hier werden wir uns insbesondere dem Thema Wohnraum sowie der Optimierung der Angebote im Bereich Schule, Betreuung und Kultur widmen.“

Eine weitere Lösungsmöglichkeit für das Problem Fachkräftemangel sei die Automatisierung, so der Landrat. „Die Automatisierung sollte endlich ihren Schrecken als vermeintlicher Arbeitsplatzkiller verlieren“, betont Engelhardt. „Sie ist auch angesichts des demografischen Wandels ein guter Baustein, um die menschlichen Fachkräfte zu entlasten. Deshalb sollte Sie forciert werden! Die Automatisierung in den Bereichen wie sie möglich ist, schafft die Chance, dass in Fachbereichen wo menschliche Arbeitskräfte zwingend sind, wie der Pflege oder der Erziehung, weiter genug Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Zudem müssen wir verstärkt eine gezielte Zuwanderung von Fachkräften in die Branchen ermöglichen, in denen sie gebraucht werden.“

Lfd. Nr. 233 / 2022

 

Geflüchteten aus der Ukraine werden in die Betreuung des kommunalen Jobcenters überführt

Kreis Bergstraße (kb). Im Juni waren im Kreis Bergstraße 5.222 Menschen arbeitslos gemeldet. Da die ersten Geflüchteten aus der Ukraine in die Betreuung des kommunalen Jobcenters überführt wurden, stieg die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen im Vergleich zum Vormonat deutlich. Denn: Durch den sogenannten Rechtskreiswechsel der Geflüchteten, gelten sie ab diesem Zeitpunkt als arbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Arbeitslosenzahl dennoch um 5,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen lag im Juni bei 3,5 Prozent. (Im Vormonat waren es 3,0 Prozent, im Vorjahrsmonat 3,7 Prozent.) Der Kreis liegt damit unter der Arbeitslosenquote für Hessen (4,6 Prozent) sowie deutschlandweit (5,2 Prozent).

„Die Überführung der ersten Geflüchteten aus der Ukraine in die Zuständigkeit des kommunalen Jobcenters ‚Neue Wege‘ lief gut.“, freut sich die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz. Bereits seit Anfang Juni findet der Rechtskreiswechsel der aus der Ukraine geflüchteten Menschen vom Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) in die Grundsicherung (SGB II) statt.

Für einen reibungslosen Ablauf arbeitet das kommunale Jobcenter sehr eng mit dem Sozialamt sowie der Ausländerbehörde des Kreises zusammen. „Der Austausch der verschiedenen Ämter ist unabdingbar. Denn nur wenn eine gute Zusammenarbeit gegeben ist, können die geflüchteten Menschen im Kreis Fuß fassen, wenn sie das auch möchten“, so Dezernentin Diana Stolz.

Wichtig für den Rechtskreiswechsel ist, neben dem Antrag auf Arbeitslosengeld II, ein Aufenthaltstitel nach § 24 Abs. 1 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) oder eine sogenannte Fiktionsbescheinigung nach § 81 AufenthG. Diese weist ein bestehendes, vorläufiges Aufenthaltsrechts nach und es geht daraus hervor, dass die geflüchtete Person erwerbstätig sein darf. Ohne die Vorlage einer solchen Bescheinigung kann kein Rechtskreiswechsel stattfinden und die Menschen erhalten bis auf weiteres ihre Leistungen vom Bergsträßer Sozialamt. Durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten des Kreises gelingt der Übergang sukzessive. Insgesamt werden nach und nach rund 2 200 geflüchtete Menschen in die Zuständigkeit des kommunalen Jobcenters überführt. Aufgrund dessen ist auch in den kommenden Monaten mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Kreis Bergstraße zu rechnen. Neben der Bewilligung von Leistungsansprüchen prüft Neue Wege, welche Perspektiven die Geflüchteten haben und welche Wege sie einschlagen können. Es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, inwieweit Menschen einen Sprachkurs belegen, eine Arbeit aufnehmen oder möglicherweise wieder in ihre Heimat zurückkehren. Neue Wege steht den Menschen zur Seite und berät sie individuell in ihrer jeweiligen Lebenslage.

Bergsträßer Jobcenter hat Herausforderungen der Pandemie gemeistert

 


Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz (Mitte rechts) besucht gemeinsam mit der Leiterin des Eigenbetriebs Neue Wege Dr. Melanie Marysko (Mitte links) und ihrem Stellvertreter Peter Schmiedel (rechts) sowie dem Sachgebietsleiter Team Flüchtlinge und Aussiedler, Daniel Maas, die Zeltstadt in Bensheim.

Kreis Bergstraße (kb). Viele Menschen fürchteten durch die vergangenen Coronaeinschränkungen um ihre Jobs. Eine höhere Arbeitslosenquote schien nicht unwahrscheinlich. Doch nicht so im Kreis Bergstraße! „Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeitsmarktsituation bei uns im Kreis“, so die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz angesichts der aktuellen Lage. „Die Arbeitsmarktzahlen haben sich erholt. Wir profitieren von dem heterogenen Arbeitsmarkt an der Bergstraße. Hervorheben möchte ich vor allem auch die großen Sprünge in Sachen Digitalisierung bei unserem kommunalen Jobcenter Bergstraße, Neue Wege. Das zeigt, welch herausragende Arbeit bei Neue Wege geleistet wird. Unser Team von Neue Wege macht einen wirklich tollen Job“. Dabei war der Eigenbetrieb selbst von Personalveränderungen an der Spitze betroffen. Der Leiterin des Eigenbetriebs, Dr. Melanie Marysko, die selbst seit August 2020 im Amt ist, steht seit Anfang des Jahres mit Peter Schmiedel ein neuer Stellvertreter zur Seite. Sein Vorgänger Harald Weiß, der insbesondere auch in den ersten beiden Jahren der Pandemie hervorragende Leistungen erbrachte und auch im Gesundheitsamt unterstütze, wurde in den Ruhestand verabschiedet.

Im Vergleich zum Vorjahr, Ende 2020 waren noch 2.866 Arbeitssuchende gemeldet, gab es im Dezember 2021 mit 2.601 Arbeitssuchenden insgesamt 265 Menschen weniger, die SGB II bezogen. Das entspricht einem Rückgang von rund 9,25 Prozent! Auch die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften ist enorm gesunken. Hier ist ein Rückgang von rund 6,59 Prozent zu verzeichnen. 2020 waren es noch 6.880, 2021 nur noch 6.427 Bedarfsgemeinschaften. Diese gute Bilanz erfreut nicht nur Dezernentin Stolz, sondern auch die Führungsspitze von Neue Wege. Dennoch sei man nach wie vor sehr aufmerksam, was die Zukunft bringe. Denn: Durch die Geflüchteten aus der Ukraine steht der Kreis vor neuen Herausforderungen. Es muss der Übergang in die Betreuung des kommunalen Jobcenters organisiert und zudem geprüft werden, wer der rund 2.000 Geflüchteten unter eine Bedarfsgemeinschaft fällt. Klar ist schon jetzt, dass es durch den sogenannten Rechtskreiswechsel der Geflüchteten aus der Ukraine zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen kommen wird, da die betreffenden Personen ab diesem Zeitpunkt als arbeitslos gelten.

Sofern möglich, sollen die Ukrainerinnen und Ukrainer in den Arbeitsmarkt integriert werden. Schnell wird klar: Die gesamte Organisation wird nicht einfach. Zum einen gibt es ukrainische Arbeitnehmende, die trotz Flucht auf digitalem Wege ihrer Arbeit nachgehen können, zum anderen wollen viele Menschen sobald es geht zurück in die Heimat. Um sich ein Bild der momentanen Situation der Geflüchteten im Kreis zu machen, besuchten Diana Stolz, Dr. Melanie Marysko und Peter Schmiedel gemeinsam die Zeltstadt in Bensheim. Hier wurden Sie von Daniel Maas, Sachgebietsleiter Teams Flüchtlinge und Aussiedler, in Empfang genommen und herumgeführt. Um allen Herausforderungen bestmöglich zu begegnen, trifft sich ein- bis zweimal wöchentlich eine Task Force. Zur Unterstützung der Geflüchteten soll es zudem Integrationslotsen an allen Standorten des Jobcenters geben.

Während der Coronavirus-Pandemie profitierte Neue Wege vor allem von seiner vorangeschrittenen Digitalisierung. Die Vize-Landrätin lobte: „Neue Wege ist hier wirklich ein Vorreiter. Die Mitarbeitenden bringen sich aktiv ein und haben immer wieder neue Ideen. Von den so erarbeiteten Abläufen profitiert die ganze Verwaltung“. „Durch unsere digitalen Angebote konnten wir den Arbeitssuchenden auch während der Pandemie immer eine Plattform bieten“, ergänzte Dr. Melanie Marysko, „bei uns sind alle Arbeitsplätze mit einer Kamera sowie einem Mikrofon ausgestattet. Davon profitieren wir nicht nur im Kundenkontakt, sondern auch beim Austausch untereinander“. Im Rahmen des Projekts „Smartdoc“, erstellen die Mitarbeitenden beispielsweise eigene Videos in verschiedenen Sprachen. In diesen YouTube-Videos wird Schritt für Schritt erklärt, wie verschiedene Anträge gestellt werden können. Durch einen OR-Code auf jedem jeweiligen Antrag gelangen die Antragstellenden ganz einfach zu dem passenden Erklärvideo. Die Mitarbeitenden haben stets die Frage vor Augen: Was brauchen unsere Kundinnen und Kunden denn? – und diese Frage wird, wie viele Rückmeldungen zeigen, sehr erfolgreich beantwortet.

Bergsträßer Arbeitsmarkt robust

Arbeitslosenquote des Kreises aktuell bei 3,0 Prozent / Landrat fordert Gegensteuern bei Fachkräftemangel

Kreis Bergstraße (kb). Im Mai waren im Kreis Bergstraße 4.425 Menschen arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen damit um 3,2 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Arbeitslosenzahl gar um 22,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen lag im Mai bei 3,0 Prozent. (Im Vormonat waren es 3,1 Prozent, im Vorjahrsmonat 3,8 Prozent.) Zum Vergleich: Für Hessen insgesamt liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 4,4 Prozent, deutschlandweit bei 4,9 Prozent.

„Der Arbeitsmarkt im Kreis Bergstraße zeigt sich erneut robust, mit leicht positiver Tendenz“, stellt Landrat Christian Engelhardt heraus. Dieses Ergebnis sei vor allem deshalb bemerkenswert, da die Wirtschaft im Augenblick vor einigen Herausforderungen steht. Die Unternehmen im Kreis Bergstraße kämpfen – wie überall – mit Verzögerungen und Problemen in der Materialbeschaffung und mit steigenden Kosten. Der Blick auf die Arbeitsmarktsituation stimme jedoch eher positiv. „Ich erwarte, dass der Bergsträßer Arbeitsmarkt auch weiterhin dynamisch bleibt“, so der Verwaltungschef. Denn: „Zum einen sind die Corona-Beschränkungen nun aufgehoben. Manche Unternehmen setzen gar neue, in Pandemiezeiten entstandene Ideen um. Doch auf der anderen Seite können zahlreiche Stellen nicht besetzt werden, da in manchen Bereichen – etwa in der IT oder der Pflege – aktuell ein Fachkräftemangel besteht“, so der Landrat. Hier müsse dringend mit gezielten Aus- und Weiterbildungskonzepten sowie Anreiz-Modellen gegengesteuert werden.

Lfd. Nr. 179 / 2022

Weiterbildungen zahlen sich aus

Nach wie vor gute Lage am Bergsträßer Arbeitsmarkt

Arbeitslosenquote des Kreises aktuell bei 3,1 Prozent / Landrat fordert Maßnahmen zur Integration ukrainischer Arbeitnehmer und Wirtschaftshilfen

Kreis Bergstraße (kb). Im März waren im Landkreis Bergstraße 4.640 Menschen (Vormonat: 4.868) arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen damit um 4,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Arbeitslosenzahl um 25,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen liegt damit für den Monat März bei 3,1 Prozent. (Vorjahr 4,2 Prozent) Für Hessen insgesamt liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 4,6 Prozent, deutschlandweit bei 5,1 Prozent. Damit verzeichnet der Kreis Bergstraße einmal mehr eine Top-Platzierung in Hessen und auch deutschlandweit.

„Aktuell befindet sich der Bergsträßer Arbeitsmarkt noch in einer guten Lage, zum Teil auch saisonal bedingt“, betont Landrat Christian Engelhardt. „Doch unter anderem angesichts massiv steigender Energiepreise und Lieferengpässen in verschiedenen Bereichen ist mittel- und langfristig eher mit einer Eintrübung zu rechnen“, so der Christdemokrat. „Ich bin sicher, die Unternehmen im Kreis werden den Entwicklungen mit aller Kraft und viel Kreativität begegnen.“ Doch in der jetzigen Situation sei auch staatliche Hilfe notwendig, wie dies etwa zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie erfolgt war. Dennoch, Engelhardt sieht in den aktuellen Gegebenheiten auch Chancen: „Möglicherweise können Bergsträßer Unternehmen unter den hier angekommenen, aus der Ukraine geflohenen Menschen qualifizierte Mitarbeitende gewinnen. Dieses Potential sollten wir nutzen“, stellt der Landrat heraus, und fordert entsprechende rechtliche Möglichkeiten, beispielsweise durch die unkomplizierte Anerkennung von ukrainischen Berufs- und Universitätsabschlüssen. Denn: „Die Beschäftigung ukrainischer Menschen kann nicht nur das jeweilige Unternehmen stärken, sondern auch zum Gelingen der Integration beitragen.“

Lfd. Nr. 117 / 2022

Abschiede nach 17 Jahren im Dienste der Kreisverwaltung

 

Der stellvertretende Regionalteamleiter des Bergsträßer Jobcenters Mörlenbach Peter Wagner geht in den verdienten Ruhestand

Peter Wagner (vorne Mitte) wird von (v.l.n.r.) der Ersten Kreisbeigeordneten Diana Stolz, Landrat Christian Engelhardt, der Betriebsleiterin des Eigenbetriebs Neue Wege, Dr. Melanie Marysko, und Sonja Seidl vom Personalmanagement verabschiedet.

Peter Wagner (vorne Mitte) wird von (v.l.n.r.) der Ersten Kreisbeigeordneten Diana Stolz, Landrat Christian Engelhardt, der Betriebsleiterin des Eigenbetriebs Neue Wege, Dr. Melanie Marysko, und Sonja Seidl vom Personalmanagement verabschiedet.

Kreis Bergstraße (kb). Ganze 17 Jahre hat Peter Wagner das Jobcenter von Neue Wege in Mörlenbach geprägt: Zunächst als Fallmanager, von Anfang 2005 bis Ende 2009. Ab 2010 dann als stellvertretender Regionalteamleiter. Dabei konnte der Sozialpädagoge stets auf die umfangreichen Erfahrungen zurückgreifen, die er bereits in Mannheim und Heidelberg durch seine Begleitung von Arbeitsförder-Projekten sowie die Ausbildungs- und Arbeitsstellenvermittlung erworben hatte.

„Ein solcher Abschied bedeutet für uns hier immer eine große Herausforderung. Wir erfüllen unsere Aufgabe vor allem durch Menschen, die sich in ihre Aufgabe hineingefunden haben. All das geht verloren, wenn uns diese Menschen verlassen“, resümiert Landrat Christian Engelhardt. „Doch mit dieser Lücke müssen wir umgehen.“

Auch Erste Kreisbeigeordnete und für den Eigenbetrieb Neue Wege zuständige Dezernentin Diana Stolz bezeichnete das Ausscheiden Wagners als „schmerzhaften Abschied“: „Dass das Jobcenter in Mörlenbach so gut aufgestellt ist, daran haben Sie einen maßgeblichen Beitrag geleistet.“

Die Betriebsleiterin des kommunalen Jobcenters Neue Wege, Dr. Melanie Marysko, hatte ebenfalls nur lobende Worte für den scheidenden stellvertretenden Regionalteamleiter: „Ich hatte die Gelegenheit bekommen, mit Ihnen zusammenzuarbeiten und ich weiß, was für ein unglaublich kollegialer und engagierter Mensch Sie sind. Alle, die in der Sozialpädagogik arbeiten, wissen, wie fordernd diese Arbeit ist. Ich stehe heute für alle, die nicht da sein können, um mich bei Ihnen für Ihren Einsatz zu bedanken.“

Auf seine zukünftigen Pläne angesprochen antwortete Peter Wagner, er plane, neben dem Reisen „die Zeit dafür zu nutzen, nicht nur am privaten Glück zu arbeiten, sondern auch anderen zu helfen. Das wird immer Teil meines Lebens sein.“ Der studierte Sozialpädagoge bedanke sich für die gemeinsamen Jahre und die gute Zusammenarbeit.

 

Teamplayer Harald Weiß geht neue Wege

Verabschiedung des stellvertretenden Betriebsleiters des Bergsträßer Jobcenters

Harald Weiß (vorne) wird von (oben v.l.n.r.) Landrat Christian Engelhardt, der Ersten Kreisbeigeordneten Diana Stolz und der Betriebsleiterin des Eigenbetriebs Neue Wege Dr. Melanie Marysko verabschiedet.

Kreis Bergstraße (kb).

Rund 18 Jahre lange unterstützte Harald Weiß durch seine Arbeit im kommunalen Jobcenter Neue Wege Menschen auf ihrem Weg zurück in die Arbeitswelt. Im Jahr 2012 übernahm Weiß die stellvertretende Betriebsleitung und prägte die Arbeit des Jobcenters nachhaltig. Nun war es auch für ihn Zeit, neue Wege einzuschlagen: Harald Weiß verabschiedete sich in den Ruhestand. „Sie waren all das, was man sich von einem Mitglied der Betriebsleitung wünschen kann und für Ihre Mitarbeitenden ein toller Chef, der sein Team nicht nur forderte, sondern auch förderte. Sie sind eben ein echter Teamplayer“, lobt Landrat Christian Engelhardt, „ich hoffe, Sie sind im Ruhestand so glücklich, wie Sie uns glücklich gemacht habe

Auch die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz wünschte Harald Weiß alles Gute: „Sie waren in all den Jahren unvorstellbar wertvoll und haben mir als Dezernentin stets den Rücken freigehalten. Auf Sie konnte man sich immer verlassen. Vielen Dank für diese gute Zusammenarbeit und für Ihre Zukunft alles Gute.“

Die Betriebsleiterin des Eigenbetriebs Neue Wege Dr. Melanie Marysko betonte zum Abschied, wie viel sie durch die Arbeit mit Harald Weiß gelernt hat: „Sie waren bei meinem Start bei Neue Wege eine tolle Unterstützung und gaben mir stets offen Feedback. Sie sind ein ganz besonderer Mensch, wir werden Sie sehr vermissen“.

Der Ruheständler Weiß wünschte sich, dass der Kontakt trotz seiner Verabschiedung nicht verloren geht, dankte für die ehrenden Worte und hob hervor, dass die Zeit bei Neue Wege stets von guter Zusammenarbeit geprägt war. Seinen Ruhestand leitete er mit dem Motto ein: „Wer die Gegenwart genießt, hat zukünftig eine tolle Vergangenheit.“

Die Beratung geht neue Wege

Neue Wege, das Jobcenter des Kreises Bergstraße, führte derweil die „Videoberatung“ ein, um Kundinnen und Kunden, Trägern sowie weiteren Gesprächspartnerinnen und -partnern neben persönlichem, telefonischem und schriftlichem Kontakt eine zusätzliche Alternative zu den bisherigen Kommunikations­möglichkeiten zu bieten. „Die Videoberatung bietet viele Vorteile! So entfällt etwa das Fahren zum Jobcenter. Das spart nicht nur enorm viel Zeit, sondern leistet zudem einen Beitrag zum Klimaschutz. Außerdem findet so – im Gegensatz zur schriftlichen Kommunikation – ein unmittelbarer Austausch statt, was ebenfalls viel Zeit einspart“, lobt die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz und fügt hinzu: „Neue Wege setzt damit weiter Maßstäbe für eine moderne Verwaltung. Natürlich wird Datenschutz hierbei auch großgeschrieben.“ Für die Videoberatung kommt die Open Source Software „Big Blue Button“ zum Einsatz. Technische Voraussetzungen sind lediglich ein PC, Laptop oder Smartphone, eine stabile Internetverbindung sowie, meist bereits in die Geräte integriert, Kamera und Mikrofon. Es muss weiter nichts installiert oder heruntergeladen werden.

In enger Zusammenarbeit mit den internen Datenschützern und dem Personalrat startete das Vorhaben im Februar 2021 als Pilotprojekt. Für die Pilot- und Testphase konnten auch Kundinnen und Kunden gewonnen werden, die aktiv an dem Projekt teilnahmen. Die überaus positive Rückmeldungen führten bereits Ende 2021 zur Realisierung. So wurden bis Januar 2022 bei Neue Wege 210 Arbeitsplätze umgerüstet und mit Kameras ausgestattet. Alle Mitarbeitenden, auch über die Kundenberatung hinaus, können so an diesem Fortschritt und den damit verbundenen Vorteilen teilhaben. So werden etwa auch Autofahrten zu standortübergreifenden Arbeitstreffen zukünftig seltener notwendig. Gefördert wurde das Projekt mit Hessischen Landesmitteln aus dem Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget (AQB).

Alle Informationen zur Videoberatung bei Neue Wege finden Sie unter: https://www.neue-wege.org/wie-funktioniert-die-videoberatung/