„Ich habe nie aufgegeben und immer an mich geglaubt!“ – Geglückter Wiedereinstieg ins Arbeitsleben mit Unterstützung von Neue Wege

Ralf M. hat sein Ziel erreicht: Er arbeitet seit 2008 wieder erfolgreich, seit einiger Zeit bei einem großen Chemiekonzern im Rhein-Main Gebiet. Diese Entwicklung war für den 48-jährigen, der an der Bergstraße aufwuchs und jetzt in Mannheim lebt, zuvor nicht absehbar. Ein Interview mit Ralf M., der seit vier Jahren wieder in Arbeit ist.

Wie ist Ihr Werdegang und wie kam es dazu, dass Sie Ihren Job verloren haben?

Nach Abitur und abgebrochenem VWL-Studium hatte ich zunächst einen Gelegenheitsjob und landete letztendlich bei einer großen Zeitung im Frankfurter Raum. Dort schnupperte ich in den Bereich Neue Medien herein und arbeitete nach einer Einarbeitungsphase „ungelernt“ als Mediengestalter. Heute kann man eine Ausbildung zum Mediengestalter machen, damals gab es diese Tätigkeit leider nicht als Lehrberuf. Dementsprechend habe ich keine abge-schlossene Ausbildung. Nach einem Wechsel zu einer privaten Produktionsfirma machte ich mich als Mediengestalter und Cutter sehr erfolgreich für mehrere Jahre selbstständig. Nach und nach merkte ich aber, dass mir vor allem der IT-Bereich, in dem ich sehr fit war, gefiel und ich Lust hatte, mich umzuorientieren. Die Fähigkeiten hatte ich mir alle selbst angeeignet, also hatte ich wieder keinen Nachweis über meine Qualifikationen. Ich bewarb mich bei Siemens und konnte dort auch ohne IT-Ausbildung eine Stelle ergattern und beendete meine Selbstständigkeit. Nach einigen Arbeitsjahren folgte der Wechsel zu einer anderen Firma, dort erhielt ich leider nach ein paar Monaten eine betriebsbedingte Kündigung. Ich fand allerdings auf eigene Faust wieder eine neue Anstellung – leider folgte nach 1,5 Jahren erneut eine betriebsbedingte Kündigung. Nun versuchte ich es mit der Selbstständigkeit im IT-Bereich – musste diese aber nach einigen Monaten beenden. Dann stand ich da und bin in ein richtiges Loch gefallen, Arbeit weg und während dieser Zeit ging auch noch meine Ehe in die Brüche. Mir blieb nichts anderes übrig – ich musste mich beim Arbeitsamt melden.

Wie sind Sie mit der Arbeitslosigkeit bzw. dem Fall in Hartz IV umgegangen?

Während des Bezuges von Arbeitslosengeld konnte ich mich zu nichts aufraffen und hatte keinerlei Motivation mich um eine neue Stelle zu kümmern. Ich hatte mein Leben lang gear-beitet und es nie für möglich gehalten, dass es mich mal erwischen würde mit der Arbeitslo-sigkeit – mir ging es richtig schlecht. Zwar lieferte ich die vorgeschriebene Anzahl an Bewer-bungen beim Amt ab, wurde aber nie zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. So verging ein Jahr und es kam, was kommen musste: Der Übergang in die Langzeitarbeitslosigkeit. Lang-sam merkte ich, es kann so nicht weiter gehen und ich kann mich nicht weiter hängen lassen. Ich wollte wieder arbeiten und schrieb mit neuer Motivation zahlreiche Bewerbungen. Meine Bemühungen waren aber leider nicht von Erfolg gekrönt, ich wurde wieder zu keinem Vorstellungsgespräch eingeladen. An der Qualität der Anschreiben konnte es eigentlich nicht liegen, diese waren gemeinsam mit Mitarbeitern des Jobcenters Heppenheim vorbereitet worden. Also konnten es nur die fehlenden Qualifikationsnachweise sein und vielleicht das Alter, ich war ja schon über 40. Da hab ich mir gesagt: Du musst etwas tun – es muss etwas Belegbares, ein Qualifikationsnachweis her, sonst wird das nichts mit einem Job.

Was haben Sie unternommen, um wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen?

Ich habe mich über verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten informiert und mich mit mei-nem Fallmanager zusammen gesetzt und überlegt, in welche Richtung es gehen soll. Ich wusste, wenn ich jetzt nichts unternehme, werde ich nie wieder eine Chance auf dem Ar-beitsmarkt haben. Nach Prüfung durch das kommunale Jobcenter Bergstraße wurde mir eine Weiterbildung zum Microsoft Certified System Engineer (MCSE) genehmigt. Ich war mit Eifer bei der Sache und hab nie den Glauben daran verloren, wieder für mich selbst sorgen und ein Leben fern von Sozialleistungen führen zu können. Auch den Dozenten fiel meine Motivation und Einsatzbereitschaft auf – ich wurde angesprochen, ob ich nicht nach Ende der Qualifizierung als Dozent arbeitet möchte. Klar wollte ich das – ich freute mich sehr! Nach zehn Monaten bestand ich alle Abschlussprüfungen und auch noch die Linux-Weiterbildung erfolgreich. Anfang 2008 hatte ich es dann geschafft – ich hatte endlich wieder einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Ab diesem Zeitpunkt ging es aufwärts, ich konnte mein Leben wieder selbst bestimmen und konnte mir wieder das ein oder andere gönnen. Nach drei Jah-ren hatte ich Lust meine als Dozent eher theoretisch angewendeten Kenntnisse in die Praxis umzusetzen: Ich wechselte 2011 zu einem Chemiekonzern in Ludwigshafen und arbeite seit dem im IT-Security Bereich. Ich habe meine Bestimmung gefunden!

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Jobcenter gemacht?

Bei mir war die seelische Belastung enorm. Manchmal wusste ich nicht weiter und hatte so manche Durststrecke. Neue Wege hat mich in dieser schweren Zeit sehr gut betreut und mir geholfen vorwärts zu kommen. Jeder Hartz IV-Empfänger sollte überlegen, ob Sozialleistun-gen auf Dauer das Leben bestimmen sollen. Keine Situation ist ausweglos, mit Mut und Willen gibt es immer eine Lösung! Die Leute müssen zu schätzen wissen, was sie bekommen. Wenn Qualifikationen beispielsweise abgebrochen werden, kann ich das nicht verstehen. Ein solches Angebot ist immer eine Chance und sollte als solche erkannt werden. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass man nach einer Weiterbildung wieder einen Einstieg in den Ar-beitsmarkt findet. Ohne Neue Wege und die Unterstützung meines Fallmanagers wäre dies alles nicht möglich gewesen und ich wäre jetzt nicht da, wo ich jetzt bin. Es ist nicht alles rosarot, es kann auch schwer sein mit den Ämtern, auch das habe ich erlebt. Aber wenn man Eigeninitiative an den Tag legt, kann man mit Hilfe des Jobcenters etwas erreichen und sich aus der Situation „Hartz IV“ befreien.

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