Neue Job-Perspektiven für Menschen mit Handicap

Ereignisse wie eine plötzliche schwere Krankheit oder ein Unfall können jeden
treffen. Von einem Tag auf den anderen ändern sich die Prioritäten und auch die
Perspektive im Leben. Der Alltag muss neu organisiert werden und nicht selten gibt es Schwierigkeiten bei der Rückkehr in den Beruf. Wenn Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen im SGB II-Leistungsbezug ihren Beruf nicht mehr oder nicht mehr wie im früheren Umfang ausüben können, sind die sogenannten hausinternen Reha-Kümmerer des kommunalen Jobcenters Neue Wege die ersten Ansprechpartner. Sie stehen in engem Kontakt mit der Bundesagentur für Arbeit, wenn es um Rehabilitationsmaßnahmen geht.
Der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Thomas Metz berichtet: „In den letzten Jahren konnten viele arbeitsmarktnahe Menschen aus dem Leistungsbezug nach dem SGB II in den Arbeitsmarkt vermittelt werden – die Arbeitslosenzahlen sind von über 5.000 auf rund 3.800 Personen gesunken. Die Vermittlung von Personen mit multiplen Hemmnissen ist jedoch bedeutend schwerer – dieser Personengruppe haben wir uns dieses Jahr verstärkt angenommen. Mit dem Programm eoPLUS, das vor allem auf die Abklärung gesundheitlicher Beeinträchtigungen ausgerichtet ist und MoBiSta, der mobilen Beratung für gehandicapte Menschen haben wir ab diesem Jahr zwei spezielle Projekte für behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen im Angebot. Auch für Rehabilitanden gibt es Fördermöglichkeiten: Die in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit angebotene Maßnahme „RehaStep“ richtet sich speziell an Menschen mit anerkanntem Reha-Status und ergänzt unser Förderkonzept mit wohnortnahen Bildungsmodulen und individueller therapeutischer Begleitung.“
Gehandicapte Menschen mit einem anerkannten Reha-Status und einem besonderen Bedarf an fachlicher, psychosozialer und medizinischer Betreuung finden bei der Maßnahme des Trägers SRH in Bensheim ambulante und wohnortnahe Rehabilitation. Die bildungsbegleitende berufliche Integrationsmaßnahme unterstützt in zwei Modulen, sogenannten „Steps“, die Wiedereingliederung in Arbeit. Zu Anfang steht ein individuelles Coaching: Gemeinsam mit geschultem Fachpersonal finden Ratsuchende heraus, wie der Arbeitsplatz den Bedürfnissen entsprechend angepasst oder ein neuer passender Arbeitsplatz gefunden werden kann. Eventuell kommt auch eine Qualifizierung in Frage, wenn die alte Tätigkeit auf Grund einer Einschränkung nicht mehr ausgeübt werden kann. Auch die Schulung allgemeiner und berufsbezogener MS-Office Grundlagen sowie ein individuelles Bewerbungstraining sind Bestandteil der gemeinsamen Arbeit in der ersten dreimonatigen Phase.
„Die Rehabilitanden sollen eine berufliche Perspektive entwickeln können, die ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht und sie nicht überfordert. Viele sind ratlos und denken, dass sie eine Umschulung nicht bewältigen können. An dieser Stelle sind wir für die Kunden da und helfen ihnen diese Ängste abzubauen“, erklärt die Erziehungswissenschaftlerin Daniela Tedesco, Mitarbeiterin bei RehaStep in Bensheim.
In der zweiten Phase über sechs Monate sind verschiedene vierwöchige Praktika in Unternehmen und individuelle Qualifizierungen vorgesehen. Wenn eine eventuelle Anstellung der Teilnehmerin oder des Teilnehmers im Raum steht und sich Arbeitgeber und Praktikant noch etwas beschnuppern möchten, ist eine Verlängerung auf bis zu acht Wochen möglich. So kann der Berufsalltag von beiden Seiten getestet und im besten Fall ein Arbeitsverhältnis begonnen werden.
„Wir sind auf dem richtigen Weg, haben aber auch weiterhin große Aufgaben vor uns – die gezielte Hilfe für Menschen mit multiplen Hemmnissen hat für uns höchste Priorität. Nur mit einer Kombination aus Weiterbildung, Jobtraining und Therapie kann das Fußfassen der Betroffenen im Arbeitsleben gelingen. Dafür benötigen wir die Unterstützung der Arbeitgeber und deren Wille Menschen mit Einschränkungen eine Chance zu geben. Der demografische Wandel und der aufziehende Fachkräftemangel geben uns eine klare Richtung vor – kein Talent darf ungenutzt bleiben“, so Thomas Metz.

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