Schlagwortarchiv für: Neue Wege

Brückenbauerinnen

Frauen mit Migrationshintergrund beendeten erfolgreich die „Qualifizierung zur Pädagogischen Mitarbeiterin als Zusatzkraft“ / Maßnahme des Kommunalen Jobcenters „Neue Wege“, des Kreises Bergstraße und des Bildungswerkes der Hessischen Wirtschaft e. V.

Grund zum Jubel: Die Absolventinnen der Weiterbildungsmaßnahme „Qualifizierung zur pädagogischen Mitarbeiterin als Zusatzkraft“ zusammen mit der Ersten Kreisbeigeordneten Diana Stolz und weiteren Beteiligten vor dem Gebäude des Bildungswerkes der Hessischen Wirtschaft e. V. in Bensheim.

Kreis Bergstraße (kb). Zum bereits dritten Mal endete mit der Übergabe der Zertifikate durch Dr. Melanie Marysko, Betriebsleiterin des Kommunalen Jobcenters „Neue Wege“, die Maßnahme „Qualifizierung zur pädagogischen Mitarbeiterin als Zusatzkraft“. Die Qualifizierung wurde aus Mitteln des Landes Hessen über das Landesförderprogramm „Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget“ finanziert und vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. (BWHW) in Bensheim durchgeführt. Das Ziel der Maßnahme fasst Gundra Simon, Teamleiterin Förderinstrumente bei „Neue Wege“ wie folgt zusammen: „Wir wollen mit dieser Maßnahme vor allem Frauen mit Flucht- oder Migrationshintergrund durch eine pädagogische Qualifizierung bei ihrer gesellschaftlichen und kulturellen Integration in Deutschland unterstützen und ihnen eine berufliche Perspektive im deutschen Bildungssystem eröffnen.“

Zwölf zugewanderte Frauen, die unter anderem aus ihren Heimatländern Syrien, Türkei, Jordanien, Sri Lanka, Polen und Kasachstan pädagogische Vorerfahrungen als Lehrerinnen, Erzieherinnen oder anderen Berufen mitbringen, haben sich im Rahmen der Maßnahme für eine pädagogische Tätigkeit in Deutschland qualifiziert. Wichtig war dabei vor allem das Vertrautmachen mit dem deutschen Erziehungs- und Bildungssystem sowie mit Lerntheorien und -methoden, Inklusion und weiteren pädagogischen Themen wie etwa tiergestützte Pädagogik. In ihrer Ansprache hob die Erste Kreisbeigeordnete und für das Kommunale Jobcenter zuständige Dezernentin Diana Stolz hervor, wie wichtig die Verbindung der Erfahrungen aus dem Heimatland mit den erworbenen Kenntnissen aus der Weiterbildung für eine Tätigkeit in Kindertageseinrichtungen ist, gerade vor dem Hintergrund des aktuell herrschenden Fachkräftemangels.

Das im Rahmen der Qualifikationsmaßahme erworbene Wissen und die praktischen Erfahrungen wurden immer wieder vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen und Ausbildungen aus dem jeweiligen Heimatland reflektiert. In diesem sehr lebendigen Kurs – geprägt vom Lernen miteinander und voneinander – standen nicht nur theoretische Inhalte, sondern auch praktische Erfahrungen im Mittelpunkt. „Die Hauptziele der Maßnahme waren neben der Verbesserung der Deutschkenntnisse das Erlernen pädagogischen Wissens, das Erlangen praktischer Erfahrungen in pädagogischen Einrichtungen, das Bestehen der Abschlussprüfung sowie die Vermittlung in Arbeit“, fassten es Dr. Wolf-Thorsten Saalfrank, Frau Arslan und Frau Kropp vom BWHW zusammen, die durch ihre Arbeit maßgeblich zum Erfolg des Projektes beitrugen. „Durch die Hospitationen in Kindergärten und Schulen wurden viele Kontakte in die Praxis geknüpft und so bereits für 70 Prozent der Teilnehmerinnen Anschlussbeschäftigungen gefunden.“

Die gute Zusammenarbeit zwischen dem Bildungswerk und den Kindertageseinrichtungen hob auch Ralf Gettel, Leiter der Kindertagesstätte Berliner Ring, hervor. Er betonte vor allem die gute Qualität der Ausbildung und die hohe Motivation und Arbeitskraft der Frauen, die die Maßnahme durchlaufen haben. Norbert Schultze, zuständiger Teamleiter des Bildungswerks Bensheim, sieht viele Chancen für Erziehungs- und Bildungseinrichtungen im Raum Bergstraße, die durch eine Beschäftigung der Absolventinnen entstehen: „Gerade Frauen mit Migrationserfahrung und pädagogischer Kompetenz können in unserem Bildungssystem eine wichtige Brückenfunktion zwischen Migrantenfamilien und Einrichtungen erfüllen.“

In einer Abschlussprüfung, in der die Frauen ein Thema ihrer Wahl präsentierten und Vertiefungsfragen beantworten mussten, konnten sie zeigen, was sie in einem Jahr gelernt haben. Auf die Frage, wie sie den Kurs erlebt hat, antwortete eine Teilnehmerin: „Wir haben viel gelernt, alle waren nett, der Unterricht hat Spaß gemacht und er war informativ. Es war ein schöner Kurs, wir waren wie eine Familie.“ Der nächste Kurs startet voraussichtlich im Januar 2023.

Bergsträßer Jobcenter hat Herausforderungen der Pandemie gemeistert

 


Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz (Mitte rechts) besucht gemeinsam mit der Leiterin des Eigenbetriebs Neue Wege Dr. Melanie Marysko (Mitte links) und ihrem Stellvertreter Peter Schmiedel (rechts) sowie dem Sachgebietsleiter Team Flüchtlinge und Aussiedler, Daniel Maas, die Zeltstadt in Bensheim.

Kreis Bergstraße (kb). Viele Menschen fürchteten durch die vergangenen Coronaeinschränkungen um ihre Jobs. Eine höhere Arbeitslosenquote schien nicht unwahrscheinlich. Doch nicht so im Kreis Bergstraße! „Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeitsmarktsituation bei uns im Kreis“, so die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz angesichts der aktuellen Lage. „Die Arbeitsmarktzahlen haben sich erholt. Wir profitieren von dem heterogenen Arbeitsmarkt an der Bergstraße. Hervorheben möchte ich vor allem auch die großen Sprünge in Sachen Digitalisierung bei unserem kommunalen Jobcenter Bergstraße, Neue Wege. Das zeigt, welch herausragende Arbeit bei Neue Wege geleistet wird. Unser Team von Neue Wege macht einen wirklich tollen Job“. Dabei war der Eigenbetrieb selbst von Personalveränderungen an der Spitze betroffen. Der Leiterin des Eigenbetriebs, Dr. Melanie Marysko, die selbst seit August 2020 im Amt ist, steht seit Anfang des Jahres mit Peter Schmiedel ein neuer Stellvertreter zur Seite. Sein Vorgänger Harald Weiß, der insbesondere auch in den ersten beiden Jahren der Pandemie hervorragende Leistungen erbrachte und auch im Gesundheitsamt unterstütze, wurde in den Ruhestand verabschiedet.

Im Vergleich zum Vorjahr, Ende 2020 waren noch 2.866 Arbeitssuchende gemeldet, gab es im Dezember 2021 mit 2.601 Arbeitssuchenden insgesamt 265 Menschen weniger, die SGB II bezogen. Das entspricht einem Rückgang von rund 9,25 Prozent! Auch die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften ist enorm gesunken. Hier ist ein Rückgang von rund 6,59 Prozent zu verzeichnen. 2020 waren es noch 6.880, 2021 nur noch 6.427 Bedarfsgemeinschaften. Diese gute Bilanz erfreut nicht nur Dezernentin Stolz, sondern auch die Führungsspitze von Neue Wege. Dennoch sei man nach wie vor sehr aufmerksam, was die Zukunft bringe. Denn: Durch die Geflüchteten aus der Ukraine steht der Kreis vor neuen Herausforderungen. Es muss der Übergang in die Betreuung des kommunalen Jobcenters organisiert und zudem geprüft werden, wer der rund 2.000 Geflüchteten unter eine Bedarfsgemeinschaft fällt. Klar ist schon jetzt, dass es durch den sogenannten Rechtskreiswechsel der Geflüchteten aus der Ukraine zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen kommen wird, da die betreffenden Personen ab diesem Zeitpunkt als arbeitslos gelten.

Sofern möglich, sollen die Ukrainerinnen und Ukrainer in den Arbeitsmarkt integriert werden. Schnell wird klar: Die gesamte Organisation wird nicht einfach. Zum einen gibt es ukrainische Arbeitnehmende, die trotz Flucht auf digitalem Wege ihrer Arbeit nachgehen können, zum anderen wollen viele Menschen sobald es geht zurück in die Heimat. Um sich ein Bild der momentanen Situation der Geflüchteten im Kreis zu machen, besuchten Diana Stolz, Dr. Melanie Marysko und Peter Schmiedel gemeinsam die Zeltstadt in Bensheim. Hier wurden Sie von Daniel Maas, Sachgebietsleiter Teams Flüchtlinge und Aussiedler, in Empfang genommen und herumgeführt. Um allen Herausforderungen bestmöglich zu begegnen, trifft sich ein- bis zweimal wöchentlich eine Task Force. Zur Unterstützung der Geflüchteten soll es zudem Integrationslotsen an allen Standorten des Jobcenters geben.

Während der Coronavirus-Pandemie profitierte Neue Wege vor allem von seiner vorangeschrittenen Digitalisierung. Die Vize-Landrätin lobte: „Neue Wege ist hier wirklich ein Vorreiter. Die Mitarbeitenden bringen sich aktiv ein und haben immer wieder neue Ideen. Von den so erarbeiteten Abläufen profitiert die ganze Verwaltung“. „Durch unsere digitalen Angebote konnten wir den Arbeitssuchenden auch während der Pandemie immer eine Plattform bieten“, ergänzte Dr. Melanie Marysko, „bei uns sind alle Arbeitsplätze mit einer Kamera sowie einem Mikrofon ausgestattet. Davon profitieren wir nicht nur im Kundenkontakt, sondern auch beim Austausch untereinander“. Im Rahmen des Projekts „Smartdoc“, erstellen die Mitarbeitenden beispielsweise eigene Videos in verschiedenen Sprachen. In diesen YouTube-Videos wird Schritt für Schritt erklärt, wie verschiedene Anträge gestellt werden können. Durch einen OR-Code auf jedem jeweiligen Antrag gelangen die Antragstellenden ganz einfach zu dem passenden Erklärvideo. Die Mitarbeitenden haben stets die Frage vor Augen: Was brauchen unsere Kundinnen und Kunden denn? – und diese Frage wird, wie viele Rückmeldungen zeigen, sehr erfolgreich beantwortet.