Lehrstellenmarkt hat sich entspannt

Berichterstattung des Starkenburger Echos vom 16.04.2010

Ausbildung: Neue Wege bringt Bewerber und Stellen bei einem Azubitag zusammen – Schwerpunkt Gesundheit

HEPPENHEIM Die Zeiten, als große Jahrgänge händeringend nach den knappen Ausbildungsstellen gesucht haben, sind vorbei. ,,Die Situation ist ganz erfreulich”, sagt …

Die Zeiten, als große Jahrgänge händeringend nach den knappen Ausbildungsstellen gesucht haben, sind vorbei. ,,Die Situation ist ganz erfreulich”, sagt Rainer Burelbach, Betriebsleiter des Kreis-Eigenbetriebs. Das Verhältnis zwischen Bewerbern und Stellen sei ausgeglichen, eher positiv. Wegen des demografischen Wandels träfe eine sinkende Zahl an Bewerbern auf ein gleichbleibendes Angebot an Lehrstellen – 6000 im gesamten Arbeitsamtsbezirk Darmstadt.

Im vergangenen Jahr habe die Industrie- und Handelskammer Darmstadt im Kreis Bergstraße 623 Ausbildungsverträge verzeichnet, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Thomas Metz (CDU) – 511 im kaufmännischen, 112 im gewerblich-technischen Bereich. Dazu kommen weitere Ausbildungsverträge der Handwerkskammer und der freien Berufe. Der Eigenbetrieb Neue Wege hatte 177 Jugendliche in verschiedenen Qualifizierungsangeboten und 77 Lehrlinge in Ausbildung. Am Ende des Jahres seien nur acht unversorgte Bewerber übrig geblieben, so Metz. Um diese Zahlen auch in diesem Jahr zu erreichen, bedürfe es noch einer ,,gewaltigen Anstrengung”. ,,In Zukunft besteht das Problem darin, Ausbildung und die richtigen Bewerber zusammenzubringen”, betonte der Erste Kreisbeigeordnete. Gefragt ist der Kreis auch als Optionskommune im Rahmen des Ende März geschlossenen hessischen Pakts für Ausbildung.

Ein erster Schritt dazu wurde gestern Nachmittag mit einem kreisweiten Azubi-Tag im Jobcenter Heppenheim in der Walter-Rathenau-Straße gemacht. Nach einem kleineren Auftakt im vergangenen Jahr war es die erste kreisweite Veranstaltung dieser Art, wie Metz unterstrich. Achtzehn Kooperationspartner von der Altenpflegeschule Bensheim bis zur Bundeswehr stellten sich vor.

1200 bis 1300 Jugendliche wurden dazu eingeladen – größtenteils aus Familien, die Hartz-IV-Hilfen beziehen. Aber auch ganze Schulklassen hatten sich angemeldet. Nach drei Stunden hatten sich gegen 16 Uhr etwa 100 Jugendliche das umfangreiche Angebot im Untergeschoss des Jobcenters angesehen, wie Regionalteamleiterin Ingrid Weigold erläuterte. Auch eine aussichtsreiche Vermittlung war bereits zu verzeichnen, wie Weigold berichtete. Ein junger Bürstädter begeisterte sich derart für den Maler- und Lackierer-Beruf, dass er sich noch heute bewerben will.

Der Termin des Azubitags Mitte April sei absichtlich so gewählt, dass Schulabgänger, die noch unsicher bezüglich ihrer Schwerpunkte und Stellensuche sind, noch eine Chance in diesem Jahr hätten, sagte Metz.

Sorgen bereitet ihm und Burelbach die Tendenz, immer später in die Lehre einzusteigen. Derzeit liege das Durchschnittsalter bei 19 Jahren, auch im gewerblichen Bereich, sagte Burelbach. Für ihn ein Zeichen dafür, dass viele Jugendliche Warteschleifen drehen, bevor sie eine Lehrstelle finden. Zudem brächen 20 Prozent der Lehrlinge in Südhessen die Ausbildung vorzeitig ab – ohne jeglichen Abschluss. An beiden Punkten müsse man arbeiten.

Bei vielen Jugendlichen seien ,,massive Ängste” vor der Lehrstellensuche vorhanden. Diesen gelte es Mut zu machen, betonte Burelbach. Auch früher seien Sechzehnjährige noch keine ausgereiften Persönlichkeiten gewesen. Da gelte es, die Erwartungen zurückzuschrauben. Um den Abbruch der Lehre zu verhindern, gebe es während der Ausbildung zudem die Möglichkeiten, Nachhilfe und begleitende Hilfen zu erhalten.

Schwerpunkt des Azubitags gestern waren Gesundheit und Soziales, wie Ingrid Weigold erläuterte. In einem Zelt im Hof stellten sich die Altenpflegeschule Bergstraße und das Deutsche Rote Kreuz vor. Rene Beilstein von der Altenpflegeschule, ließ die Jugendlichen gegenseitig Blutdruck messen. Peter Krick von der Wirtschaftsförderung Bergstraße informierte die Jugendlichen über die Möglichkeiten, selbst ein Unternehmen zu gründen.

Vielfältige Fördermöglichkeiten von Hauswirtschaftsprojekten über Teilzeitausbildung für junge Eltern und das Qualifizierungsprojekt ,,Astrein” mit Holzernte und Möbelbau hat der Viernheimer Verein ,,Förderband” im Angebot.

Nora Kadel, im zweiten Lehrjahr als Maler- und Lackiererin, im Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft führte vor, wie man geschickt mit dem Pinsel umgeht. Ausbilder Bernhard Geffert von der Kreishandwerkerschaft schilderte die Zukunft des Berufs in leuchtenden Farben: ,,Maler und Lackierer haben im Moment einen Riesenboom”, betonte Gef fert. Im modernen Berufsbild werden auch Kenntnisse in Wärmedämmung vermittelt. Und das ist mit der anstehenden Sanierung vieler Altbauten eine Aufgabe mit viel Zukunft.

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