Kurs „Gesundes Kochen für sozial Schwächere“

Berichterstattung aus dem Starkenburger Echo vom 19.10.2009

Neue Wege und Haus der Gesundheit bieten erstmals den Kurs „Gesundes Kochen für sozial Schwächere“ an

Mittelmeer-Küche für wenig Geld

KREIS BERGSTRASSE. Mediterraner Kichererbsen- und Gemüsetopf, Couscoussalat mit Oliven, Rotbarschfilet in Balsamicosoße, zyprisches Olivenbrot, Ratatouille sowie Limonendessert mit Melonenkugeln – das klingt nach einem kulinarischen Hochgenuss im Sommerurlaub am Mittelmeer oder einer Speisekarte in einem gehobenen Restaurant. Etwas Weiteres haben diese Leckereien ebenfalls gemein: Sie gelten allesamt als überaus gesund.
Um diese mediterranen Speisen auf den Tisch gezaubert zu bekommen, muss man sich indes nicht unbedingt in den Flieger gen Süden setzen oder eine horrende Rechnung bezahlen. „All das können Sie auch mit herkömmlichen, preiswerten Zutaten aus dem Supermarkt um die Ecke selbst kochen, backen oder zubereiten“, sagte Diät- und Diabetesassistentin Petra Lingenberg bei der Premiere des Kurses „Gesundes Kochen für sozial Schwächere“ in der Lehrküche des Heppenheimer Hauses der Gesundheit. In den kommenden Wochen organisiert der für Langzeitarbeitslose zuständige Kreis-Eigenbetrieb „Neue Wege“ (Jobcenter Bergstraße) noch weitere Kochkurse für sozial Schwächerer.

„Ziel dieses Angebots ist es, neben der alltäglichen Arbeit und dem Ausfüllen von Zetteln und Anträgen, enger mit den Kunden zusammen zu arbeiten und eine neue Art von Gemeinschaft zu erleben“, erläuterte Bernfried Schnell, Projektleiter von „Pro Arbeit 50 Plus“ bei „Neue Wege“ die Hintergründe des nicht alltäglichen Projekts. Schnell ging mit bestem Beispiel voran, band sich eine Schürze um und begann gemeinsam mit einem seiner Kunden, Gemüse zu schneiden und zu brutzeln.

Wie wichtig solche Veranstaltungen sind, hob auch Kreis-Gesundheitsdezernent Norbert Golzer (FWG) hervor. Für Golzer spielt die soziale Herkunft eine untergeordnete Rolle. Dem Gesundheitsexperten geht es vielmehr um eine gesündere Ernährung in allen gesellschaftlichen Schichten. Untersuchungen hätten ergeben, dass immer mehr Kinder Übergewicht hätten, was vor allem auf die veränderte Freizeitgestaltung in der heutigen Zeit zurückzuführen sei, so Golzer. „Neben dem fehlenden Sport ist hier aber auch die falsche Ernährung mitentscheidend“, sagte der Gesundheitsdezernent. Die Umsetzung dieser theoretischen Vorgaben lag nun in den Händen der Darmstädter Diät- und Diabetesassistentin Petra Lingenberg und ihren „Schülern“. Bevor sich die Gruppe ihrem eigentlichen Ziel, der Lehrküche, nähern konnte, erläuterte die Kursleiterin die Grundlagen gesunder Ernährung sowie die Auswahl der Speisen.

Grundlage für einen guten Start in den Tag sei ein gesundes Frühstück mit Obst oder Gemüse, erläuterte Petra Lingenberg. „Überhaupt sollte man darauf achten, täglich drei Hände voll Gemüse und zwei Hände voll Obst zu sich zu nehmen.“ Das alte Sprichwort, wonach das Auge mitisst, spielt auch mit Blick auf die gesunde Ernährung eine entscheidende Rolle: Je bunter die Zusammenstellung von Obst und Gemüse, desto gesünder.

Wesentliche Bestandteile gesunder Ernährung sind darüber hinaus Nudeln, Brot, Hülsenfrüchte, Salate, Knoblauch, frische Kräuter, Zwiebeln sowie Milchprodukte in moderaten Mengen. Rotes Fleisch (Rind oder Schwein) sowie zu viele Eier sind weit weniger gesund als Fisch und Geflügel.

Petra Lingenberg ging auch auf die Unterschiede zwischen Sonnenblumen-, Oliven- und Rapsöl ein. „Wir bevorzugen Olivenöl oder Rapsöl. Beide sind höher erhitzbar und wirken positiver für die Arterien.“

Für die meisten Kursbesucher stellte sich nach diesen Erläuterungen die Frage: „Warum nehmen wir ausgerechnet mediterrane Speisen?“ Petra Lingenbergs Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Die Ernährungsweise der Menschen rund ums Mittelmeer ist oft gesünder als bei uns. In Ländern wie Frankreich, Italien, Griechenland und Spanien werden diese Zutaten wesentlich häufiger verwendet als bei uns, Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten dort seltener auf. Außerdem werden die Menschen dort im Schnitt wesentlich älter.“

Christopher Frank

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