Klaus Schlappner spricht für »Generation 50 Plus«

Neue Wege: Auszeichnung für die Firmen Klaus Spalt, Pelteko und Edunburgh Elevator

Berichterstattung des Starkenburger Echos vom 02.12.2010

»Schnappt sie euch!«, rief Klaus Schlappner, auch bekannt als »Schlappi« den Zuhörern in Heppenheim zu. Der international erfolgreiche Sportcoach hatte es dieses Mal allerdings nicht auf Fußballspieler auf dem Platz abgesehen: Mit seiner Rede vor Kommunalpolitikern und Unternehmern im Job-Center Heppenheim des Kreis-Eigenbetriebs Neue Wege setzte er sich für jene Leistungsträger abseits des Rasens ein, die ihre Erfahrung primär in der Arbeitswelt in die Waagschale werfen: Die »Generation 50 Plus«.
Auf diese Zielgruppe hat es Neue Wege mit dem vom Bund auf den Weg gebrachten Projekt »Perspektive 50 Plus« abgesehen. Allein im Kreis Bergstraße sind zurzeit sieben Fallmanager damit befasst, ältere Langzeitarbeitslose auf dem Weg zurück in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis zu unterstützen. Bei 133 Projektteilnehmern – alle mehr als 50 Jahre alt – haben sich diese Bemühungen in den vergangenen zwölf Monaten ausgezahlt.
Um die Chancen älterer Bewerber auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, hat das Bundesarbeitsministerium vor einem Jahr einen Wettbewerb für Unternehmer ins Leben gerufen. Projektbegleitend werden in den beteiligten Regionen jene Arbeitgeber prämiert, die sich in einem besonderen Maße für ältere Mitarbeiter engagieren beziehungsweise sie in ihren Betrieben einstellen. Der Wettbewerb trägt den Titel: »Unternehmen mit Weitblick«.
Am Donnerstag stand deshalb in Heppenheim die zweite Prämierung auf dem Programm. In diesem Jahr wurden drei Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren für ihre Geschäftsphilosophie ausgezeichnet: Die Klaus Spalt GmbH aus Fürth, die Pelteko GmbH und Co. KG aus Lautertal und die Edunburgh Elevator GmbH in Heppenheim. Die Urkunden übergab Schlappner an die Geschäftsführer.
Der international agierende Sportexperte hatte sich aus Überzeugung dazu bereit erklärt, die Schirmherrschaft über das Projekt im Kreis Bergstraße zu übernehmen. Und wie in seinen besten Zeiten als Bundesligacoach des SV Waldhof Mannheim war »Schlappi« um deutliche Worte nicht verlegen: »Mit über fünfzig Jahren wird man nicht müde, sondern, wie in meinem Fall, vielmehr agil«.
Die Generation, um die es bei dem von ihm vertretenen Programm geht, bringe gegenüber jungen Menschen einen entscheidenden Vorteil mit: Erfahrung. In einer konkurrierenden Arbeitswelt könne kein Unternehmen im Wettbewerb auf so eine Ressource verzichten. Er selbst habe sowohl in seiner Funktion als Handwerksmeister als auch Fußballtrainer immer wieder diese Lehre gezogen und davon profitiert.
»Wenn sie mir nicht glauben, dann schauen sie sich doch mal den Eiertanz um Stuttgart 21 an«, führte er ein aktuelles Beispiel an: »Da musste erst ein Achtzigjähriger kommen, um das hinzukriegen«. Es sei in Deutschland ein unhaltbarer Zustand, dass Fachleute, wenn sie ein bestimmtes Alter erreichten, immer weniger gebraucht würden.
»Warum setzt man diese Leute nicht punktgenau dort ein, wo sie mit ihren Fähigkeiten einen wichtigen Beitrag leisten können?«, fragte der ehemalige Nationaltrainer von China und verwies auf seine Erfahrungen in Asien: »Da werden diese Menschen gebraucht, wir zeigen ihnen stattdessen die gelbe Karte«. Dieses Potenzial sei auch in Deutschland üppig vorhanden, und die Unternehmen müssten nur zugreifen: »Das sind gestandene Mitarbeiter, kompetent und zuverlässig«.
Erster Kreisbeigeordneter Thomas Metz (CDU) schloss sich dem Appell an. Wenn ältere Menschen Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt hätten, dann sei das oft nicht eine Frage der Qualifizierung, sondern eher eine falsche Sichtweise. »Menschen, die viel Lebenserfahrung mitbringen, zeichnen sich auch in der Berufswelt durch ihre hohe Tatkraft und Entschlossenheit aus«, sagte Metz. Der Wettbewerb »Unternehmen mit Weitblick« sei darum ein Schritt in die richtige Richtung.
Die prämierten Firmen zeichnen sich alle dadurch aus, dass mehr als fünfzig Prozent ihrer Beschäftigten über fünfzig Jahre alt sind. Die Geschäftsführer, alle erfolgreich in ihren Marktsegmenten, bestätigten, dass sie nicht auf die Erfahrung der älteren Arbeitnehmer verzichten können. »50 Plus« sei demnach auch für die regionale Unternehmen ein klares Plus.

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