Einstiegsoffensive: Ausweitung von 160 auf 320 Plätze

Berichterstattung des Bergsträßer Anzeigers vom 01.07.2010

Arbeitslosen eine Richtung weisen

Bergstraße. Seit Jahren war der junge Mann aus Lorsch arbeitslos, hatte keine Perspektive und lebte von Hartz IV. Dann lud ihn der Eigenbetrieb “Neue Wege” zur Einstiegsoffensive ein, einer intensiven, betreuten Arbeitssuche, die der 26-Jährige ab dem 9. Juni besuchte. “Und seit Montag hat er wieder eine Stelle”, berichtete Christine Herzberg-Pirih, fachliche Leiterin der Einstiegsoffensive.

Das Modell gibt es im Kreis Bergstraße seit Februar 2008. Dabei werden Langzeitarbeitslose in Kleingruppen von 20 Personen von zwei Fallmanagern intensiv betreut. Bis zu acht Wochen lang dauert die Maßnahme, in denen sich die Teilnehmer an vier Tagen in der Woche für jeweils vier Stunden treffen. “Dann erfolgt eine ganz intensive Arbeit rund um die Frage: Was muss ich tun, um wieder in Arbeit zu kommen?”, erklärte Thomas Metz, Vorsitzender der Betriebskommission. Mit Hilfe der anderen Teilnehmer und der Fallmanager werden Bewerbungsunterlagen und Stellenangebote gesichtet oder Initiativbewerbungen verschickt.

Die Vermittlungsquote lag in den vergangenen Jahren zwischen 40 und 50 Prozent. “Es hat sich gezeigt: Je rascher wir den Arbeitslosen ein Angebot machen, desto größer sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt”, so Metz. Deshalb richtet sich die Einstiegsoffensive auch schwerpunktmäßig an Neuantragsteller. Jetzt hat sich Neue Wege dafür entschieden, das Modell auszuweiten.

Neben den ursprünglichen Standorten – den Job-Centern in Heppenheim, Viernheim, Bürstadt und Mörlenbach – gibt es die Einstiegsoffensive seit Juni auch in Bensheim, Lorsch, Lautertal und Birkenau. Das Angebot wurde damit von 160 auf insgesamt 320 Plätze verdoppelt, 40 zusätzliche an jedem der vier neuen Standorte.

Dort arbeitet Neue Wege jetzt mit externen Bildungsträgern zusammen: der Merkur-Schule in Bensheim, der Tertia Vermittlungsagentur in Lorsch, der Softdoor GmbH in Lautertal und dem Berufsbildungswerk in Birkenau. An den neuen Standorten wurden neue Räumlichkeiten eingerichtet, insgesamt zwölf Arbeitsplätze geschaffen und bislang mit Unterstützung durch Neue Wege 112 Hilfeempfänger betreut.

Die Bilanz: Zehn Menschen haben eine Arbeit gefunden, weitere zwölf haben eine mündliche Zusage und ein Teilnehmer einen Ausbildungsvertrag. Darüber hinaus wurden 56 Vorstellungsgespräche geführt. Nach der kurzen Zeit eine erfolgreiche Bilanz, meint Betriebsleiter Rainer Burelbach.

“Wir wollen nicht dozieren, sondern die Teilnehmer dazu befähigen, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen”, sagte Cornelia Honig, die am Standort Birkenau nach eigenen Angaben vom Eiskunstläufer bis zum Fischwirt die unterschiedlichsten Berufsgruppen betreut. Mark Kamus vom Standort Bensheim hat festgestellt, dass die Einstiegsoffensive langzeitarbeitslosen Menschen zu positiven Veränderungen verhilft. “Haben sie etwa nach langer Zeit wieder ein Vorstellungsgespräch, fassen sie wieder neuen Mut und haben eine klarere Perspektive”, berichtete er.

Die Verträge mit den vier regionalen Bildungsträgern gelten zunächst für neun Monate. Die Betriebskommission entscheidet nach der Vorlage von Zwischenberichten, ob die Kooperation zweimal für jeweils ein Jahr verlängert wird. rk

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